G wie Gespräche mit Vorgesetzten

„Vielen Dank noch einmal für ihr lebendiges Coaching! Obwohl ich beständig mit meinem Arbeitgeber im Gespräch bin, so habe ich doch auch viele Tipps mitgenommen und werde ihr Handout selbst verwenden. Mir ist nochmals bewusst geworden, warum ich bei manchem Gespräch weniger gut angekommen bin.“

Dieses schöne Feedback erhielt ich für meinen Beitrag auf dem Bundeskongress der Logopädinnen und Logopäden. Thema des Vortrags-Workshops (so würde ich es nennen, was ich geboten habe): „Wie sage ich es meinem Chef / meiner Chefin? – Gespräche mit Vorgesetzten erfolgreich führen“.

Wenn ich mich an meine Zeit als Angestellte erinnere, dann natürlich auch an dieses ungute Gefühl, wenn ein Vier-Augen-Gespräch mit der Chefin anstand.

Entweder gab es etwas zu klären oder ich hatte eine Forderung und versuchte, diese umzusetzen oder es handelte sich um ein Zielvereinbarungs-/Jahresgespräch. In allen drei Fällen krampfte sich mein Magen oder Nacken schon im Vorlauf zusammen.

Denn eins war klar: Ich fühlte mich im Gespräch mit ihr meistens unwohl, weil unterlegen. „Augenhöhe“ – so wie ich es als eine notwendige Komponente eines erfolgreichen Dialogs von Mitarbeiter*innen und Vorgesetzten sehe – stellte sich nicht ein.

Viel später erst habe ich begriffen, warum nicht. Weil wir beide zu unfairen Kommunikationsmethoden griffen und uns damit gegenseitig emotional hochschaukelten. Von ihr kam gern so etwas wie: „Das kann gar nicht sein!“, „Das kannst Du nicht machen!“, von mir dann Gegenwehr in Form von „Du hast überhaupt keine Ahnung“. Irgendwie logisch, dass wir beide unzufrieden aus dem Gespräch gingen.

Geholfen hätte mir ein Buch wie das von Gudrun Fey „Gelassenheit siegt – Mit Vorwürfen und Angriffen souverän umgehen“ oder ein Workshop, wie ich ihn heute anbiete. In dem ich meine Situation schildern gekonnt hätte und argumentativ durchgespielt hätte.

Auf dem Bundeskongress zeigte sich, dass eine einfache Erinnerung an die Regeln fairer Gesprächskultur „Aha-Effekte“ erzielte.

 

Welche Regeln für ein FAIRES Gespräch gibt es?

  • Gesprächstermin vereinbaren / verabreden
  • Gesprächsinhalte ankündigen
  • gedankliche oder schriftliche Vorbereitung auf das Gespräch
  • Tatsachen / Fakten (Was ist passiert? = objektives Geschehen) und Gefühle / Emotionen trennen (= subjektiv, Interpretation, Bewertung)
  • ausreden lassen, verstehen wollen, achtsames/aktives Zuhören
  • beim Thema bleiben
  • Ich-Aussagen statt Vorwürfe oder Anklagen
  • Respekt und Augenhöhe
  • Ehrlichkeit
  • Humor, Verzeihen

Und welche UNFAIREN Verhaltensweisen gibt es bei Gesprächen?

  • Jemanden „mal eben“ im Flur / Aufzug / in der Teeküche ansprechen oder mit seinem Anliegen „überfallen“, also zeitlich unpassend
  • dabei auf eine unmittelbare Lösung beharrend
  • Vorwürfe, Schuldzuweisungen,rigide Forderungen
  • Abwertungen oder Bewertungen
  • Rechthaberei, Zynismus, Sarkasmus, spöttisch
  • „nie“, „immer“, „typisch“
  • unter die Gürtellinie schlagen, jemanden persönlich verletzen wollen
  • Nachtragen, schlecht über jemanden hinter seinem Rücken reden

 

Ach ja, stimmt, gut, dass Sie das nochmal in Erinnerung bringen… J!

Ein Gespräch zwischen einer Mitarbeiter*in und einer/m Vorgesetzten ist nichts anderes als ein Gespräch zwischen zwei Menschen.

Gut, es ist Hierarchie mit im Spiel. Wenn ich mir jedoch vergegenwärtige, dass mir ein Mensch gegenübersitzt und ich auf dieser Ebene – auf Augenhöhe! – mit ihm kommuniziere, nivelliert sich die Hierarchie. Wenn ich mich respektvoll im oben geschilderten Sinne verhalte, habe ich viel dafür getan, dass das Gespräch auch gelingt.

Gut, ich nehme jetzt mal alle „Choleriker, Egomanen, arroganten Chefs“ aus. Wie man sich bei unfairen Verhaltensweisen verhält, beschreibe ich in einem nächsten blog.

 

Heute geht es mir erst einmal darum, auf die Do’s und Dont’s hinzuweisen.

Ich habe in Vorbereitung auf den Workshop auch Vorgesetzte gebeten, mir einmal aufzunotieren, was sie so alles im Gesprächen mit Mitarbeiter*innen zu hören bekommen. Hier ein kleiner Auszug aus der Liste:

 

NO GO – SÄTZE GEGENÜBER VORGESETZTEN

  • Dafür werde ich nicht bezahlt!
  • Das hat der Kollege xy zu verantworten, nicht ich!
  • Das steht nicht in meinem Arbeitsvertrag!
  • Wer ist denn hier der Chef, sie oder ich?
  • Bei meinem alten Arbeitgeber hat das viel besser funktioniert.
  • Mehr geht einfach nicht.
  • Sie haben ja keine Ahnung!
  • Sie verstehen das einfach nicht!
  • Ihr Vorgänger hat das ja ganz anders gemacht.
  • Ich kann mit xy nicht mehr zusammenarbeiten.
  • Nein, das geht auf keinen Fall!
  • Ich habe keine Ahnung, wovon Sie sprechen.
  • Dann muss ich mir überlegen ob ich hier weiter arbeiten kann (Drohung).
  • Warum verdient x eigentlich mehr als ich?
  • Aber ich habe Ihnen doch alles in cc geschickt.
  • Ich habe keine Lösung.
  • Damit habe ich nichts zu tun!
  • Ist das ihr ernst?
  • Ich bin notorisch unterbezahlt.
  • Dafür bin ich nicht eingestellt worden.
  • Nicht mein Fehler!
  • Das geht nicht!
  • Sie hören mir ja nie zu!

 

Alles klar zu welcher Kategorie von Verhaltensweisen diese Sätze gehören? Nicht nur Vorgesetzte sind manchmal unausstehlich, auch Mitarbeiter*innen blockieren, stänkern, werfen vor.

„Sei selbst die Veränderung, die Du in der Welt sehen willst.“ Dieser kluge Satz erinnert mich immer wieder daran, dass ich anfangen muss mit dem Besser-Sein, Verzeihen, Entschuldigen…

Ich lege auch Ihnen den Satz ans Herz. Viel Freude bei der Umsetzung!

 

Die Autorin